Das Dramadreieck – Konflikte, mögliche Ursachen und Lösungsansätze

Das hier gezeigte Grundmodell des Dramadreiecks wurde von Stephen Karpman entwickelt. Es ist einfach und leicht verständlich, aber nicht banal. Daher setze ich es gerne in meinen Trainings ein, um die TeilnehmerInnen zu ermuntern, ihre eigene Verhaltenstendenzen zu reflektieren und gleichzeitig zu erkennen, auf welche Verhaltensweisen anderer sie am ehesten „anspringen“:

Zu den einzelnen Rollen

  • Das Opfer: Jemand, der diese Rolle übernimmt, schiebt oft die Verantwortung anderen zu. Man selbst scheint nicht in der Lage zu sein, die Situation zu ändern. Außerdem glaubt man, dass einem selbst sowieso immer nur Negatives passiert. Dadurch fühlt sich „das Opfer“ sehr stark in der Defensive und wird bzw. wirkt oft handlungsunfähig. Auch die persönliche Ausstrahlung leidet unter dieser inneren Haltung. Häufig wirken „Opfer“ still, zurückhaltend und pessimistisch.
  • Der Retter: Jemand, der in dieser Rolle agiert, hat oft den inneren Impuls helfen zu wollen. Dabei meint diese Person häufig schon die „richtige“ Lösung zu kennen und versucht dem Opfer aktiv beizustehen. Dabei merkt „der Retter“ in der Regel nicht, dass er/sie sich eigentlich über das Opfer stellt. Durch dieses Verhalten wird dem anderen aber die Verantwortung genommen. Daher passiert es sehr oft, dass das Opfer intuitiv die Lösungswege des Retters offen oder heimlich ablehnt.
  • Der Verfolger: Personen, die häufig mit einer gewissen Härte anderen gegenüber auftreten, werden schnell als Verfolger gesehen. Diese Rolle festigt sich, wenn sie insbesondere das Opfer aktiv anklagen. Dabei wirkt es sehr oft so, als wisse auch der Verfolger die „richtige“ Lösung. Durch das harte Auftreten „des Verfolgers“ vermeidet das Opfer in der Regel die Auseinandersetzung und fügt sich, ohne tatsächlich hinter „der Lösung“ zu stehen.

Jetzt der Praxisbezug

Spätestens an dieser Stelle lässt sich leicht die Brücke zu vielen alltäglichen Konfliktsituationen schlagen. Am Arbeitsplatz, im eigenen Team, in der eigenen Abteilung oder im gesamten Unternehmen finden wir immer wieder einzelne Menschen, aber auch Gruppen, die sich gegenseitig aufreiben. Dadurch wird enorm viel Energie gebunden, die dann an anderen Stellen fehlt. Oder es werden formelle Lösungen nur halbherzig mitgetragen und bei erst bester Gelegenheit zeigt man dem Konfliktpartner, dass man selbst doch recht hatte. Durch unsere Vergangenheit, Erziehung und unser Umfeld neigen wir dazu, tendenziell leichter und schneller in die eine als in die beiden anderen Rollen zu schlüpfen. Gerade diese Erkenntnis ist häufig der wichtigste Schlüssel, sein eigenes Verhalten kritisch zu überprüfen. Nur wenn wir uns unserer eigenen Verhaltensmuster bewusst sind, können wir uns auch bewusst für ein anderes Verhalten entscheiden. Gleichzeitig bietet das Wissen um dieses Modell auch die Chance, nicht auf die anderen Rollenvertreter hereinzufallen und das Dramadreieck dadurch zu stärken. Ein Lösungsansatz ist die Stärkung der Eigenverantwortung sowie die gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz. Dadurch, dass sich Retter und Verfolger klar über andere stellen und das Opfer sich deutlich unter die anderen stellt, kann keine Kommunikation auf „gleicher Augenhöhe“ stattfinden. Somit ist jede Lösung, die während des Dramadreiecks entwickelt wird, immer ein fauler Kompromiss.

Das bedeutet für Sie im Umkehrschluss

Werden Sie sich klar, was Sie wollen und was Sie nicht wollen! Formulieren Sie Ihre Position klar gegenüber anderen Personen. Respektieren Sie die Meinung, Wünsche und Haltung anderer, auch wenn sie Ihrer Haltung entgegenstehen! Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für die anderen sondern nur für sich selbst! Bei unterschiedlichen Positionen können Sie die Hintergründe aktiv und interessiert hinterfragen, und stellen Sie die Hintergründe zu Ihrer Position dar. Häufig ist ein Großteil des Konflikts schon gelöst, wenn man sich gegenseitig nur einmal richtig aufmerksam zuhört und versucht, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen.

Thorsten Rabenbauer

* Weiterführende Literatur:
Eric Berne: Spiele der Erwachsenen
Thomas A. Harris: Ich bin ok, du bist ok
Thomas A. Harris: Einmal ok, immer ok